Von der Lernenden zur Berufsbildnerin: Interview mit Chantal Koller
Vor vierzehn Jahren begann Chantal Koller ihre Lehre beim RVK. Nach dem Lehrabschluss zog es sie für einen Sprachaufenthalt ins Ausland und für temporäre Einsätze in andere Unternehmen. Dann kehrte sie zurück, und ist seit nunmehr zehn Jahren fester Teil unseres Marketing-Teams. Jetzt schliesst sich der Kreis: Ab Sommer 2027 bildet der RVK nach längerer Pause wieder eine Lernende aus – und Chantal Koller begleitet sie als Berufsbildnerin. Ein Gespräch über ihren beruflichen Weg, über das, was sich seither verändert hat, und über die Vorfreude.
Chantal, warum hast du dich damals für die KV-Ausbildung entschieden?
Nach vier Jahren am Gymi wollte ich bewusst in die Praxis. Ich war schon damals gern unabhängig und wollte auf eigenen Beinen stehen: Erfahrungen sammeln, Verantwortung übernehmen und Geld verdienen. Rückblickend war das genau richtig. Ich habe es nie bereut. In der Schweizer Bildungslandschaft stehen einem nach der Lehre alle Türen offen. Ich habe mich später weitergebildet, von der Marketingfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis bis zum MAS in digitalem Marketing. Ausserdem lag mir der kaufmännische Beruf nahe, weil mein Vater in der Vermögensberatung tätig war.
Woran erinnerst du dich gerne, wenn du an deine Lehrzeit denkst?
Daran, dass ich jeden Tag gerne zur Arbeit ging. Das ist bis heute so. Montagsblues kenne ich zum Glück nicht. Das liegt an meinen lieben Gspänli, am Abwechslungsreichtum der Aufgaben und an der Flexibilität, die uns der RVK ermöglicht.
Und: Mit einer Person aus der Berufsfachschule verbindet mich bis heute eine enge Freundschaft. Dass ich dort meine beste Freundin finden würde, hätte ich nicht gedacht. Die Lehrzeit ist ein wichtiger Lebensabschnitt. Es ist schön, wenn man ihn mit jemandem teilen kann.
Wie bist du im Marketing gelandet?
Fast hätte ich die Weiterbildung zur Direktionsassistentin begonnen. Weil dafür fundierte Englischkenntnisse nötig waren, ging ich für einen Sprachaufenthalt nach Australien. Mit der Zeit merkte ich aber, dass ich einen kreativeren Job mit mehr Abwechslung und vielfältigeren Entwicklungsmöglichkeiten möchte. So kam ich zum Marketing, wo meine strukturierte Arbeitsweise ebenfalls gefragt ist. Später habe ich mich auf digitales Marketing spezialisiert.
Was hat dich motiviert, Berufsbildnerin zu werden, und was möchtest du weitergeben?
Ich arbeite besonders gerne mit Menschen innerhalb des Unternehmens zusammen; das habe ich unter anderem bei einem Employer-Branding-Projekt gemerkt. Deshalb war für mich klar, dass ich diese Rolle übernehmen möchte.
Mir ist es wichtig, jungen Menschen nicht nur Fachwissen mitzugeben, sondern auch Werte, die sie über die Arbeit hinaus brauchen können. Und dass die Jugendlichen Gefallen am kaufmännischen Beruf finden und gerne zur Arbeit gehen.
Die KV-Reform hat einiges neu geregelt. Was bedeutet das für die Lernende?
Seit 2023 ist die Ausbildung stärker auf Handlungskompetenzen, Selbstständigkeit und die digitale Arbeitswelt ausgerichtet. Die klassischen Schulfächer gibt es nicht mehr; die Inhalte werden fächerübergreifend und praxisnah vermittelt. Im Betrieb kommen sogenannte Praxisaufträge dazu. Dabei lernt die Lernende, ihr Vorgehen zu reflektieren, Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen und nächste Schritte abzuleiten.
Was wünschst du dir von der Zusammenarbeit?
Eine vertrauensvolle, motivierte Zusammenarbeit. Und dass am Ende der Lehre eine Person vor mir steht, die Freude am kaufmännischen Beruf gefunden hat, gerne zur Arbeit geht und weiss, welche Möglichkeiten nach der Ausbildung auf sie warten.
Was macht für dich eine gute Berufsbildnerin aus, und was macht den RVK als Ausbildungsbetrieb besonders?
Eine gute Berufsbildnerin gibt Orientierung, schafft Vertrauen, fördert Selbstständigkeit und vermittelt Werte fürs Berufsleben und darüber hinaus. Sie sieht Potenziale, ist Vorbild und zeigt der Lernenden ein gutes Wegweiser-System, damit sie ihren eigenen Weg findet. Beim RVK ist die lernende Kauffrau keine Nummer, im Gegenteil. Man kennt sich und unterstützt einander, unabhängig von Alter, Herkunft oder Hierarchie. Die verschiedenen Abteilungen sorgen für viel Abwechslung. So erhält die Lernende Einblick in unterschiedliche Tätigkeiten und findet heraus, in welche Richtung sie sich nach der Lehre entwickeln möchte.
Vielen Dank für das Gespräch, Chantal.
Doris Durrer, Fachspezialistin Unternehmenskommunikation
041 417 05 73, d.durrer@rvk.ch