Ein Blick hinter die Kulissen: Wie funktioniert das Hausarztsystem?
Stephanie Müller ist Leiterin Integrierte Versorgungsmodelle beim RVK – eine Rolle, die spannender ist, als sie vielleicht klingt. Sie und ihr Team sorgen dafür, dass über 500 000 Versicherte reibungslos im Hausarztsystem betreut werden können. Heute koordiniert sie 70 Gesundheitsnetzwerke, mehr als 7400 Hausärztinnen und Hausärzte sowie 15 Krankenversicherungen. Im Gespräch erzählt sie uns, was ihre Arbeit ausmacht, welche Herausforderungen sie meistert und warum die Zusammenarbeit zwischen all diesen Akteuren so komplex – und gleichzeitig so wichtig – ist.
Stephanie, stell dich doch bitte kurz vor: Wie bist du zu dieser Aufgabe beim RVK gekommen?
Ich bin gelernte Pharma-Assistentin. Mein Weg führte mich zunächst zu einem Ärztegrossisten und später als Quereinsteigerin in die Krankenversicherungsbranche. Dort durfte ich die Managed-Care-Prozesse von Beginn an mitgestalten und weiterentwickeln.
Was schätzt du besonders an der Zusammenarbeit in deinem Team?
Wir sind ein kleines, engagiertes Team, das sich für die Anliegen unserer Kunden und Partner einsetzt. Wir unterstützen uns gegenseitig und profitieren von kurzen Entscheidungswegen. Wenn ich unterwegs bin, halten die Teammitglieder mir den Rücken frei. Bei Verhandlungen hole ich mein Team gerne hinzu, um die Anliegen der Ärztenetzwerke auch prozesstechnisch optimal zu begleiten.
Über 500 000 Versicherte unserer Kunden nutzen das RVK-Hausarztsystem. Was bedeutet das konkret für euren Arbeitsalltag?
Mein Team stellt die technischen Prozesse zwischen Krankenversicherungen und Ärzten sicher. Wir verantworten den Datenaustausch von Bestandesdaten und Überweisungen zwischen allen Beteiligten. Bei uns ist jeder Monat durchgetaktet – das hat Vor- und Nachteile.
Ihr arbeitet mit rund 70 Gesundheitsnetzwerken und über 7400 Hausärztinnen bzw. Hausärzten zusammen. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?
Der RVK tritt nicht als eigene Krankenversicherung im Markt auf, deshalb sind wir bei vielen Ärzten eher unbekannt – was manchmal zu Verwirrung führt. Mit mehr als einer halben Million Versicherten konnten wir unseren Marktanteil bei den Ärztenetzwerken aber steigern und sind aus dem Hintergrund getreten.
Beschreib doch bitte einen typischen Arbeitstag oder eine typische Arbeitswoche.
Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich bin da, wo es brennt. Technische Herausforderungen müssen angepackt werden, wenn sie entstehen – die warten meist nicht, bis sich Zeit findet. Unser System fordert uns monatlich heraus, und die Weiterentwicklung des Gesamtsystems erfordert viel Geduld und manchmal auch ein bisschen Kreativität.
Was ist die grösste Herausforderung in deinem Job?
Die Koordination der Akteure ist sehr komplex. Ärzte und Ärztenetzwerke haben andere Bedürfnisse als Krankenversicherer. Als intermediärer Dienstleister stehen wir in der Mitte und versuchen, Kompromisse zu finden. Es ist meist ein Geben und Nehmen – ob zwischen den IT-Anbietern unserer 15 Kunden oder bei Verhandlungen mit Ärztenetzwerken. Herausforderungen sind bei mir sehr willkommen, auch wenn sie manchmal zu gross erscheinen.
Und umgekehrt: Was macht dir am meisten Freude an deiner Arbeit?
Die Projekte bei uns sind sehr vielfältig. Zwischen Verhandlungen mit Ärztenetzwerken, technischen Problemen bei unserer Sanktionskontrolle und der Arbeit in Projektgruppen braucht es manchmal viel Disziplin, um nicht bereits mit dem Kopf bei der nächsten Lösung zu sein. Aber genau das treibt mich an: Lösungen finden und vorwärtskommen.
Hausarztsysteme: unter dem Begriff können sich vielleicht einige nichts Konkretes vorstellen. Kannst du an einem konkreten Beispiel zeigen, was ihr im Hintergrund leistet?
Wir stellen die reibungslose Kommunikation zwischen den Ärzten und den Krankenversicherungen sicher. Die Krankenversicherungen erhalten von uns monatlich aktualisierte Ärztelisten, die sie ihren Versicherten zur Verfügung stellen. Gleichzeitig melden wir den Ärzten die Versicherten, damit diese die Koordination für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers sicherstellen können.
Was würdest du jemandem sagen, der noch nie etwas von integrierten Versorgungsmodellen gehört hat – warum ist eure Arbeit wichtig?
Wir verantworten das Hausarztmodell im Namen verschiedener kleiner und mittlerer Krankenversicherungen. Wir kümmern uns darum, dass Versicherte bei ihren Hausärztinnen und Hausärzten in den Praxen angemeldet werden. Als Dienstleister arbeiten wir im Hintergrund und sind für die Patientinnen und Patienten meist nicht sichtbar, aber umso wichtiger für das reibungslose Funktionieren des Systems.
Vielen Dank für das Gespräch, Stephanie.
Doris Durrer, Fachspezialistin Unternehmenskommunikation
041 417 05 73, d.durrer@rvk.ch